Botschaft von der Gebietsführerschaft

„Aus dem Blickwinkel der Ewigkeit“

Uns muss bewusst sein, dass wir bei unserem Dahinscheiden nur dreierlei mitnehmen: unsere Beziehungen, unser Wissen und unseren Charakter.

Wir müssen unser Denken entschlossen auf unsere wahre Identität und Gottes Plan für uns ausrichten, sodass wir nicht den Blick für das Ganze verlieren.
Wir müssen unser Denken entschlossen auf unsere wahre Identität und Gottes Plan für uns ausrichten, sodass wir nicht den Blick für das Ganze verlieren.

Elder Gary B. Sabin, USA

Präsident des Gebiets Europa

 

Als ich vor vielen Jahren Pfahlpräsident war, kam eine liebe Schwester, in Tränen aufgelöst, zu mir ins Büro. Sie war auf Mission gewesen, hatte im Tempel geheiratet und treu ihre Berufungen erfüllt. Eine schreckliche Feuersbrunst hatte in unserer Gegend gewütet, und viele Häuser im Pfahlgebiet waren dem Flächenbrand zum Opfer gefallen. Auch ihres. Obendrein handelte es sich bei ihrem Haus um ein Seniorenheim, das zugleich auch ihre wichtigste Einkommensquelle gewesen war. Alle Bewohner hatten in Sicherheit gebracht werden können, doch der gesamte weltliche Besitz und die Existenzgrundlage der Familie waren ein Raub der Flammen geworden.  Sie klagte: „Warum ist das uns passiert? Wir halten doch unsere Bündnisse!“

Ich sprach im Stillen ein Gebet und legte dann ein leeres Blatt Papier vor sie auf den Schreibtisch. Dann malte ich einen stecknadelkopfgroßen Punkt in die Mitte des Blattes und erklärte: „Dieser Punkt steht für unser Erdenleben. Nehmen wir an, das Blatt steht für die Ewigkeit, die sich ja in beide Richtungen unendlich weit erstreckt. Es tut mir sehr leid, dass Ihnen das zugestoßen ist, aber lassen Sie sich nicht von dem einen Punkt die Sicht auf das große Ganze nehmen.“ Es sprach für die liebe Schwester, dass sich ihr Gesichtsausdruck sofort erhellte. Mit einem Seufzer der Erleichterung sagte sie: „Ich verstehe. Es wird alles gut. Danke!“

Elder Gary B. Sabin, USA  Präsident des Gebiets Europa Intellectual Reserve
Elder Gary B. Sabin, USA Präsident des Gebiets Europa

Das Flammenmeer, das unser Gebiet verwüstet hatte, war von Windböen vorangetrieben worden, die sich mit 130 Kilometern pro Stunde vorwärtsbewegt hatten. Die Flammen waren willkürlich durch die Gegend gepeitscht. So manches Haus hatten sie übersprungen, andere Häuser dann wiederum niedergebrannt. Elder Dale G. Renlund hat in Anlehnung an ein Sprichwort einmal gesagt: „Wenn Sie meinen, dass das Leben Sie fair behandelt, weil Sie rechtschaffen sind, ist das so, als würden Sie meinen, dass der Stier Sie nicht angreift, weil Sie Vegetarier sind.“ Die heiligen Schriften rufen uns in Erinnerung, dass ungerechte Zustände zum Erdenleben gehören: „[Gott] lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“1

Tatsächlich kann die Wechselhaftigkeit des Erdenlebens uns mitunter übel mitspielen, doch dank des Heilands drängen die Verheißungen der Ewigkeit selbst die schlimmsten Prüfungen des Lebens in den Hintergrund. Der Blickwinkel der Ewigkeit ändert alles, sobald wir nämlich begreifen, „dass dies alles dir Erfahrung bringen und dir zum Guten dienen wird“2.

Elder Neal A. Maxwell hat diesen Gedanken zum Ausdruck gebracht: „Meinen wir wirklich, wir könnten blauäugig durchs Leben gehen, getreu dem Motto: ‚Herr, gib mir Erfahrung, aber bewahre mich vor Trauer, Kummer, Schmerz, Widerstand und Verrat und vor allem davor, verlassen zu werden. Behüte mich, o Herr, vor all den Erfahrungen, die dich zu dem gemacht haben, was du bist! Dann lass mich zu dir kommen, bei dir wohnen und ganz an deiner Freude teilhaben!‘“

Wir müssen unser Denken entschlossen auf unsere wahre Identität und Gottes Plan für uns ausrichten, sodass wir nicht den Blick für das Ganze verlieren und von den Schwierigkeiten, die zu dem „stecknadelkopfgroßen Punkt“ unseres Erdendaseins gehören, aus der Bahn geworfen werden. Elder John H. Groberg hat erklärt: „Es gibt eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Wenn man diese Verbindung findet, dann bekommt alles einen Sinn, auch der Tod. Wenn man diese nicht findet, wird alles sinnlos, auch das Leben.“

Der Blickwinkel der Ewigkeit hält uns vor Augen, was wirklich wichtig ist. Uns muss bewusst sein, dass wir bei unserem Dahinscheiden nur dreierlei mitnehmen: unsere Beziehungen, unser Wissen und unseren Charakter. Es wäre äußerst kurzsichtig, sich auf Kosten des tatsächlich Wichtigen auf das Unwesentliche zu konzentrieren. Doch genau das tut der größte Teil der Welt. Ijob hat erklärt: „Sie bringen hin ihre Tage im Glück und fahren voll Ruhe hinab ins Totenreich.“3

Die Verheißungen der Ewigkeit werden vom Apostel Paulus bekräftigt: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“4 Es wäre töricht, diese wundervollen Segnungen gegen das sprichwörtliche „Linsengericht“ eintauschen zu wollen.5 „Wichtige Dinge dürfen nie den unwichtigen untergeordnet werden.“ Ich bete darum, dass wir in der Lage sind, inmitten der Herausforderungen des Lebens über jenen kleinen Punkt hinauszublicken, der das Erdenleben darstellt, und mehr Weitblick entwickeln – unsere ewige Identität erkennen, den Zweck des Erdenlebens begreifen und Hoffnung auf die herrliche Bestimmung haben, welche die Glaubenstreuen in der Ewigkeit erwartet.

 

Anmerkungen

1. Matthäus 5:45

2. Lehre und Bündnisse 122:7

3. Ijob 21:13

4. 1 Korinther 2:9

5. Siehe Genesis 25:31-34